Photoshopper sind keine guten Fotografen?

Photoshopper sind keine guten Fotografen?

08.10.2012
Ich liebe Photoshop und damit gehöre ich unter Fotografen sicher keiner Minderheit an. Aber von einigen Fotografen, vor allem solchen, die sich und ihre Kunst besonders ernst nehmen, höre ich zuweilen Kommentare wie “Ja, also ich fotografiere mit meiner Nikon und nicht mit Software.”, “Ich kenne mich halt besser mit Licht und Komposition aus, als mit Photoshop.” oder einfach “Ich bin Fotograf. Kein Photoshopper.” Zwar sind solche Kommentare in den letzten Jahren seltener geworden, aber dennoch nicht ganz verschwunden. Bei dem geringschätzigen Unterton scheint mir eine gewisse Arroganz durchzuscheinen, mit der recht deutlich angetragenen Unterstellung: “Wer Photoshop gut beherrscht, kann im Grunde kein guter Fotograf sein.” Ich denke, wir alle kennen genug Fotografen, die auch gute Bildbearbeiter sind und dieser Ansicht Lügen strafen.


Warum digitale Bildbearbeitung nötig ist

Man mag beklagen, dass Fotos heute zu künstlich sind. Zu manipulativ. Oder dass Werbung lügt. Oder wie Dove diesen Umstand zur eigenen Positionierung ausnutzen, und verurteilen, dass unsere Wahrnehmung von Schönheit gestört ist. Doch wer glaubt ernsthaft, dass ein Pickel auf der Nase der präsentierten “Durchschnittsfrauen” stehen bleibt, wenn Unilever uns Schönheitsprodukte verkaufen möchte? Ebenso wenig würden Kunden Hautpflegeprodukte kaufen, wenn die werbenden Models allesamt aussehen wie eine Karre Mist. Selbstverständlich wird der Pickel wegretuschiert. Und das ist auch gut so.

Denn die Notwendigkeit einer Retusche hat nur bedingt mit dem verwöhnten Auge des Konsumenten oder seiner gestörten Wahrnehmung zu tun. Sicherlich verkaufen attraktive, glatte Gesichter ein Produkt besser als eine kaputte Hackfresse. Obwohl man auch das nicht pauschalisieren kann. Doch im Allgemeinen ist Nachbearbeitung in der kommerziellen Fotografie notwendig, denn bei still stehenden Bildern fallen Details bewusst oder unbewusst stärker ins Auge. Jeder kennt dieses Phänomen aus der privaten Fotografie: So manch attraktive und charmante Person wirkt auf Fotos plötzlich farblos, während das graue, schüchterne Mauerblümchen auf Fotos erstrahlt wie ein Topmodel.

Kleine Details wie eine schiefe Nase, eine Zahnlücke, Piercings oder Narben, die eine Person im “natürlichen” Leben interessant und liebenswert machen, können in der kommerziellen Fotografie ein Störfaktor sein. Denn das Auge streift immer wieder über diese auffälligen Punkte, statt wie gewünscht seine Aufmerksamkeit der Botschaft oder dem beworbenen Produkt zu widmen. Dies erfordert vom Bildbearbeiter ein sorgsames Gespür, wie stark er das Motiv verändert, ohne es zu entstellen. Das Netz ist voll von solchen Photoshop-Desastern.

Weniger Software, mehr Auge und Handwerk, bitte!

Retouching, schlechte Retusche
Rechts: Einfacher Beauty-Look mit Weichzeichnungsfilter. Haut wirkt zwar glatt, aber auch künstlich wie Plastik.


Retouching, professionelle Retusche
Schon besser! Haut ist ebenmäßig und rein und wirkt dennoch natürlich.


Immer noch findet man – selbst bei Fotos für große Marken – Retuschen wie auf dem oberen Bild (Standardretusche): Die Haut ist glatt und rosig wie ein Pfirsich aus Plastik. Ich persönlich finde solche Fotos wenig ästhetisch – schließlich möchte ich Menschen zeigen und keine Computerspiel-Figuren. Darunter die gleiche Dame noch einmal mit einer anderen digitalen Bearbeitung: Diese erfordert pro Bild etwa eine halbe bis eine Stunde mehr Zeitaufwand und mehr handwerkliches Geschick. Allerdings ist das Ergebnis erheblich überzeugender. Das Motiv bleibt ein Mensch.

Mit einer handwerklich guten digitalen Bildbearbeitung kann man aus einem handwerklich mittelmässigen Foto noch ein gutes machen. Und aus einem schlechten Foto vielleicht noch ein mittelmäßiges. Eine mittelmäßige Nachbearbeitung kann jedoch ein meisterliches Original-Foto in ein miserables verwandeln. Es liegt auf der Hand: Beste Ergebnisse für sein Geld erhält der Kunde nur mit einer sorgfältigen Fotografie, die hochwertiges Ausgangsmaterial für eine ebenso gekonnte Nachbearbeitung liefert.

Wir bei alphalog sind schon ein wenig stolz darauf, Fotografie und Bildbearbeitung zu einem gleichermaßen hohen Niveau anbieten zu können. Wir sind der Meinung, die beste Bildbearbeitung ist, wenn man sie nicht sofort als solche bemerkt.


Fotografie Beispiele unserer Foto-Arbeiten

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Fotografie Digitale Bildbearbeitung